Bäume an Straßen, Wegen, Zufahrten und anderen Verkehrsflächen müssen sich ihren Standort mit Menschen, Fahrzeugen und baulicher Infrastruktur teilen.
Ein fachgerechter Lichtraumprofilschnitt sorgt dafür, dass der notwendige Verkehrsraum frei bleibt, ohne die Baumkrone stärker zu beeinträchtigen als erforderlich.
Dabei geht es nicht darum, die unteren Äste eines Baumes möglichst schnell und vollständig zu entfernen. Entscheidend ist vielmehr, den erforderlichen Freiraum frühzeitig und vorausschauend zu entwickeln und dabei die natürliche Kronenstruktur und die Reaktionsfähigkeit des Baumes zu berücksichtigen.
Bei Baumpflege Funck betrachten wir deshalb Baumart, Alter, Vitalität, Kronenentwicklung, Standort, Verkehrsraum und zukünftiges Pflegeziel gemeinsam.
Wir stellen den Baum in die Mitte unserer Arbeit.
Was bedeutet Aufasten?
Der Begriff Aufasten wird in unterschiedlichen Zusammenhängen verwendet.
Bei Straßen- und Parkbäumen beschreibt er meist das schrittweise Entfernen oder Einkürzen tiefer Äste, um ein ausreichendes Lichtraumprofil über Straßen, Gehwegen, Zufahrten oder anderen Verkehrsflächen herzustellen.
In der Forstwirtschaft hat Aufasten dagegen ein anderes Ziel. Dort werden beispielsweise bei Douglasien gezielt Äste am Stamm entfernt, um möglichst astfreies und hochwertiges Stammholz zu erzeugen.
Beiden Maßnahmen gemeinsam ist zwar das Entfernen tiefer Äste. Pflegeziel, Vorgehensweise und Beurteilung des Baumes unterscheiden sich jedoch grundlegend.
Auf dieser Seite steht der Lichtraumprofilschnitt an Straßen-, Garten-, Park- und Grundstücksbäumen im Mittelpunkt.
Als Lichtraumprofil wird der Raum bezeichnet, der über und neben einer Verkehrsfläche dauerhaft freigehalten werden soll.
Dazu können beispielsweise gehören:
Wachsen Äste in diesen Raum hinein oder ist absehbar, dass sie ihn künftig beeinträchtigen werden, kann ein Lichtraumprofilschnitt erforderlich sein.
Das Ziel lautet:
den notwendigen Verkehrsraum herstellen und gleichzeitig möglichst viel funktionsfähige Baumkrone erhalten.
Der beste Lichtraumprofilschnitt beginnt häufig bereits am jungen Baum.
Solange Äste noch geringe Durchmesser besitzen, lassen sich unerwünschte Entwicklungen mit vergleichsweise kleinen Schnittwunden korrigieren.
Wird dagegen über viele Jahre nicht gepflegt, können aus dünnen Seitenästen starke Kronenäste entstehen. Müssen diese später vollständig entfernt werden, entstehen entsprechend größere Verletzungen und stärkere Eingriffe in die gewachsene Baumkrone.
Deshalb ist es sinnvoll, frühzeitig festzulegen:
Welche Äste können später Teil der dauerhaften Krone werden?
Welche Äste würden langfristig in den Verkehrsraum hineinwachsen?
Welche können zunächst noch erhalten werden?
Und welche sollten bereits frühzeitig reduziert oder entfernt werden?
Früh entwickeln statt später stark korrigieren.
Gerade bei Straßenbäumen wurde und wird teilweise sehr schematisch gearbeitet: Die unteren Äste und neu entstandenen Triebe werden regelmäßig vollständig am Stamm entfernt.
Aus baumbiologischer Sicht ist dies nicht bei jedem Baum die beste Lösung.
Ein junger oder mittelalter Baum benötigt seine Belaubung für Wachstum und Stammverdickung. Gleichzeitig können kleinere, schwächere Triebe den Stamm beschatten und damit eine wichtige Funktion übernehmen.
Deshalb kann es sinnvoll sein, bei der Entwicklung des Lichtraumprofils zunächst die stärkeren und langfristig problematischen Triebe zu entfernen, während schwächere Triebe vorübergehend erhalten bleiben.
Für den Betrachter wirkt ein solcher Baum möglicherweise zunächst weniger „aufgeräumt“.
Für den Baum kann diese Vorgehensweise jedoch wesentlich günstiger sein.
Ein besonderes Thema sind Neuaustriebe am Stamm.
Werden sämtliche Triebe regelmäßig vollständig entfernt, können manche Baumarten darauf mit erneut verstärktem Austrieb reagieren.
In den ursprünglichen Fachtexten von Baumpflege Funck wurde deshalb bereits darauf hingewiesen, dass ein immer wieder vollständiges Entfernen der Stammtriebe die Bildung neuer Triebe fördern und bei empfindlichen Baumarten langfristig zu ausgeprägten Austriebs- und Verdickungsstrukturen führen kann.
Deshalb sollte auch hier nicht automatisch gelten:
Alles, was am Stamm austreibt, muss sofort entfernt werden.
Je nach Baumart, Alter und Pflegeziel kann es sinnvoll sein, stärkere und problematische Triebe gezielt zu entfernen und kleinere Triebe vorübergehend zur Beschattung des Stammes zu belassen.
So lässt sich die Entwicklung des Baumes häufig ruhiger steuern.
Bei starkem Stamm- oder Neuaustrieb kann nicht nur die Frage wichtig sein, was geschnitten wird, sondern auch wann.
Die älteren Baumpflege-Funck-Unterlagen weisen darauf hin, dass ein ausschließlich im Winter ausgeführtes vollständiges Entfernen sämtlicher Neuaustriebe bei bestimmten Baumarten erneut starken Austrieb fördern kann.
Je nach Baumart und Pflegeziel kann deshalb eine Bearbeitung während der Vegetationszeit sinnvoll sein.
Eine pauschale Kalenderregel gibt es jedoch nicht.
Baumart, Vitalität, Umfang des Eingriffs, Artenschutz und das konkrete Pflegeziel müssen gemeinsam berücksichtigt werden.
Ein dauerhaft gutes Lichtraumprofil entsteht nicht erst dann, wenn ein Ast bereits einen Lkw oder ein Verkehrszeichen berührt.
Es wird über Jahre entwickelt.
Bei jungen Bäumen können zukünftige Problemäste früh erkannt und schrittweise behandelt werden.
Dabei kann ein Ast zunächst lediglich eingekürzt werden, um sein Wachstum zu bremsen. Seine Belaubung bleibt dem Baum noch eine Zeit lang erhalten.
Erst bei einem späteren Pflegegang wird er vollständig entfernt.
Diese schrittweise Vorgehensweise hilft dabei, große Schnittwunden zu vermeiden und gleichzeitig einen tragfähigen Kronenaufbau zu entwickeln.
Der Lichtraumprofilschnitt ist deshalb eng mit einer fachgerechten Jungbaumpflege verbunden.
Ein möglichst hoher Kronenansatz ist nicht automatisch ein Zeichen guter Baumpflege.
Werden zu viele untere Äste in kurzer Zeit entfernt, verliert der Baum einen erheblichen Anteil seiner Blattfläche.
Gleichzeitig verändert sich das Verhältnis zwischen Stamm und Krone.
Gerade junge Bäume sollten deshalb nicht nach einem starren Schema möglichst schnell „hochgezogen“ werden.
Entscheidend ist vielmehr, den später benötigten Kronenansatz Schritt für Schritt zu entwickeln.
Das Ziel ist nicht ein möglichst kahler Stamm, sondern ein langfristig funktionsfähiger Baum am jeweiligen Standort.
Jeder entfernte Ast hinterlässt eine Verletzung.
Je größer der Ast, desto größer die Schnittfläche.
Deshalb besitzt der Zeitpunkt der Kronenentwicklung eine entscheidende Bedeutung.
Ein Ast, der mit wenigen Zentimetern Durchmesser entfernt werden kann, verursacht eine wesentlich geringere Verletzung als ein starker Ast, der nach vielen Jahren wegen eines versäumten Lichtraumprofilschnittes entnommen werden muss.
Regelmäßige und vorausschauende Pflege kann deshalb dazu beitragen, spätere starke Eingriffe zu vermeiden.
Regelmäßig und maßvoll pflegen statt selten und stark schneiden.
Auch wenn der Konflikt nur an einer Straße oder einem Weg entsteht, darf die Maßnahme nicht isoliert aus dieser Perspektive geplant werden.
Vor einem Schnitt sollte betrachtet werden:
Welche Funktion besitzt der betreffende Ast innerhalb der Krone?
Ist er Teil der zukünftigen Hauptkronenstruktur?
Kann er zunächst eingekürzt werden?
Gibt es einen geeigneten Seitenast, auf den abgeleitet werden kann?
Wie verändert sich die gesamte Krone nach seiner Entfernung?
Ein fachgerechter Lichtraumprofilschnitt erzeugt deshalb keine künstlich gerade Schnittkante entlang einer Verkehrsfläche.
Er entwickelt eine Baumkrone, die sowohl dem notwendigen Verkehrsraum als auch der gewachsenen Struktur des Baumes gerecht wird.
Der Verkehrsraum gibt das Ziel vor – die Baumstruktur bestimmt den Weg dorthin.
Wurde ein Baum über viele Jahre nicht entsprechend entwickelt, kann die Situation deutlich schwieriger werden.
Tiefe Äste können inzwischen erhebliche Durchmesser erreicht haben.
Eine vollständige Entfernung kann dann große Schnittwunden verursachen und die Kronenstruktur stark verändern.
In solchen Fällen muss individuell entschieden werden.
Möglicherweise lässt sich ein Ast auf einen geeigneten Seitenast einkürzen.
Vielleicht kann die gewünschte Veränderung auf mehrere Pflegegänge verteilt werden.
In anderen Fällen ist eine vollständige Entfernung wegen der Nutzung des Verkehrsraums notwendig.
Je älter und stärker der Baum ist, desto wichtiger wird eine differenzierte Abwägung.
Ragt ein einzelner Ast in eine Straße oder Zufahrt, muss deshalb nicht automatisch die gesamte Baumkrone reduziert werden.
Häufig betrifft der Konflikt nur einen klar begrenzten Bereich.
Dann sollte genau dieser Bereich bearbeitet werden.
Das erhält mehr funktionsfähige Baumkrone, reduziert unnötige Schnittwunden und bewahrt den natürlichen Charakter des Baumes.
Auch beim Lichtraumprofil gilt deshalb:
So viel wie nötig – so wenig wie möglich.
Auch auf privaten Grundstücken entstehen typische Situationen:
Ein Ast wächst zunehmend über die Einfahrt.
Lieferfahrzeuge kommen mit der Krone in Berührung.
Ein Gehweg soll dauerhaft frei bleiben.
Äste wachsen in Richtung Straße oder Nachbargrundstück.
Die Krone gerät in Konflikt mit Gebäuden oder anderen Nutzungen.
Gerade in solchen Fällen lohnt sich eine frühzeitige Beurteilung.
Ein kleiner, gezielter Eingriff heute kann verhindern, dass einige Jahre später ein wesentlich stärkerer Ast entfernt werden muss.
Bei Straßen, Parkplätzen, Friedhöfen, Schulgeländen, Betriebshöfen oder größeren Liegenschaften sollte das Lichtraumprofil Bestandteil einer langfristigen Baumpflegeplanung sein.
Regelmäßige Kontrollen und abgestimmte Pflegeintervalle helfen dabei,
Gerade bei größeren Beständen ist eine kontinuierliche Pflege häufig wesentlich nachhaltiger als punktuelle starke Eingriffe.
Von diesem Lichtraumprofilschnitt zu unterscheiden ist die sogenannte Hochastung in der Forstwirtschaft.
Hier steht nicht die Freihaltung eines Verkehrsraums im Vordergrund.
Ziel ist die Produktion hochwertigen, möglichst astfreien Stammholzes.
Bei geeigneten Bäumen werden Äste deshalb in mehreren Stufen entfernt. In der von Baumpflege Funck früher beschriebenen Praxis erfolgte dies beispielsweise zunächst bis etwa zwei Meter Höhe, später bis ungefähr sechs Meter und bei entsprechendem Pflegeziel bis etwa zwölf bis fünfzehn Meter.
Für hochwertige Wertholzbestände kann auch die Dokumentation der ausgeführten Astung wichtig sein.
Baumpflege Funck hatte hierfür bereits ein Verfahren entwickelt, mit dem Zeitpunkt, Qualität und Höhe der Astungsmaßnahmen am einzelnen Baum dokumentiert werden können. Damit lässt sich die langfristige Behandlung und damit verbundene Wertentwicklung des Stammes nachvollziehbar festhalten.
Diese Form der Hochastung gehört fachlich in einen anderen Bereich als der Lichtraumprofilschnitt an Straßen- und Parkbäumen – zeigt aber, wie wichtig auch dort eine frühzeitige, sauber dokumentierte Entwicklung des Baumes ist.
Beim Lichtraumprofilschnitt betrachten wir nicht nur den Ast, der heute stört.
Wir betrachten, wie sich der Baum in den kommenden Jahren entwickeln soll.
Das kann bedeuten, einen jungen Problemast frühzeitig zu entfernen.
Es kann bedeuten, einen Ast zunächst nur einzukürzen.
Es kann bedeuten, schwache Stammtriebe bewusst noch eine Zeit lang zu erhalten.
Es kann bedeuten, die Maßnahme auf mehrere Pflegeintervalle zu verteilen.
Und bei älteren Bäumen kann es bedeuten, eine individuelle Lösung zu entwickeln, um unnötig große Schnittwunden zu vermeiden.
Unser Ziel ist ein dauerhaft nutzbarer Verkehrsraum und gleichzeitig ein Baum, dessen Krone sich möglichst gesund und standortgerecht weiterentwickeln kann.
Ein gutes Lichtraumprofil entsteht nicht durch möglichst starkes Aufasten.
Es entsteht durch vorausschauende Kronenentwicklung, gezielte Auswahl der zu entfernenden Äste und eine Pflege, die auch die Reaktion des Baumes berücksichtigt.
So verbinden wir die Anforderungen des Menschen mit einer möglichst baumschonenden Entwicklung.
Früh und gezielt pflegen statt spät und stark eingreifen.
Baumpflege mit Köpfchen.
Wir stellen den Baum in die Mitte unserer Arbeit.
Sicher · Nachhaltig · Stressfrei.