Nicht jeder bruchgefährdete Ast muss entfernt werden.
Wenn einzelne Starkäste, Stämmlinge oder größere Kronenteile geschädigt beziehungsweise strukturell auffällig sind, kann eine Kronensicherung dazu beitragen, das Risiko eines Ausbruchs zu reduzieren und gleichzeitig möglichst viel vorhandene Baumstruktur zu erhalten.
Gerade bei alten oder besonders wertvollen Bäumen kann dies eine sehr baumschonende Alternative zu starken Rückschnitten oder einer Fällung sein.
Auch in den für Baumpflege Funck hinterlegten Fachunterlagen wird die Kronensicherung als Möglichkeit beschrieben, bruchgefährdete Baumteile weitgehend unverändert am Baum zu erhalten. Dadurch können Habitus, Vitalität und vorhandene Habitatstrukturen geschont werden.
Wir stellen den Baum in die Mitte unserer Arbeit.
Bei einer Kronensicherung werden gefährdete Kronenteile mit dafür vorgesehenen Sicherungssystemen miteinander verbunden.
Das Ziel besteht nicht darin, den Baum vollständig starr zu fixieren.
Vielmehr soll die Bewegung eines gefährdeten Astes oder Stämmlings so begrenzt beziehungsweise kontrolliert werden, dass im Versagensfall kein unkontrollierter Ausbruch erfolgt oder problematische Bewegungen reduziert werden.
Eine Kronensicherung kann beispielsweise sinnvoll sein bei:
In vielen Fällen werden dynamische Kronensicherungssysteme eingesetzt.
Dabei können beispielsweise spezielle Hohltaue mit breiten Gurtschlaufen verletzungsarm in der oberen Krone eingebaut werden.
Diese Systeme lassen natürliche Bewegungen der Krone weiterhin zu. Welche Sicherung geeignet ist, hängt immer von der vorhandenen Baumstruktur und vom konkreten Sicherungsziel ab.
Das ist wichtig, denn Bäume reagieren unter Wind nicht wie starre Konstruktionen. Äste und Stämmlinge bewegen sich, schwingen und verteilen dabei Kräfte innerhalb der Krone.
Eine dynamische Sicherung soll diese natürliche Bewegung nicht vollständig verhindern, sondern sie kontrollieren und bei größeren Belastungen begrenzen.
Dadurch bleibt die Krone möglichst beweglich und funktionsfähig.
Nicht jede Schadstelle eignet sich für ein dynamisches System.
Bei offenen Stammrissen, stark vorgeschädigten Vergabelungen oder Kronenteilen, die bereits unter erheblicher Spannung stehen, können statische beziehungsweise sehr dehnungsarme Sicherungssysteme erforderlich sein.
Hier können beispielsweise dehnungsarme Gurtbänder, Gurtschlaufen oder – je nach Situation – Stahlseilsysteme eingesetzt werden.
Das Ziel besteht dann darin, problematische Bewegungen deutlich stärker zu begrenzen.
In besonderen Ausnahmefällen können bei bestimmten Stammrissen auch weitergehende konstruktive Maßnahmen erforderlich werden.
Solche Eingriffe müssen jedoch sehr genau auf die individuelle Situation abgestimmt werden.
Eine Kronensicherung ist keine Maßnahme, die lediglich „irgendwo zwischen zwei Ästen“ eingebaut werden kann.
Entscheidend ist zu verstehen, wie sich die Baumkrone bei Wind bewegt und welche Kräfte tatsächlich auf die betroffenen Strukturen wirken.
Ein falsch gewählter Einbaupunkt oder ein ungeeignetes System kann die Belastungsverhältnisse innerhalb der Krone ungünstig verändern.
Im schlechtesten Fall kann eine Sicherung dadurch nicht nur wirkungslos bleiben, sondern zusätzliche Belastungen auf andere Kronenteile übertragen.
Deshalb müssen unter anderem betrachtet werden:
Bewegungsrichtung der Kronenteile
Höhe und Position des Einbaus
vorhandene Schadstellen
Belastbarkeit der Widerlager
Länge und Gewicht der zu sichernden Äste
gewünschte Begrenzung der Bewegung
Eine gute Kronensicherung arbeitet mit der Dynamik des Baumes – nicht gegen sie.
Nicht jeder gefährdete Kronenteil benötigt dieselbe Maßnahme.
Wenn ausreichend tragfähige Kronenstrukturen vorhanden sind, kann eine Kronensicherung besonders schonend sein, weil große Teile der vorhandenen Krone unverändert erhalten bleiben können. Die Fachunterlagen zur Altbaumpflege heben genau diesen Vorteil hervor.
Ist dagegen keine ausreichend belastbare Struktur für die Befestigung vorhanden, kann eine gezielte Kroneneinkürzung sinnvoller oder zusätzlich erforderlich sein.
Auch eine Kombination beider Maßnahmen ist möglich.
Die entscheidende Frage lautet deshalb:
Welche Maßnahme erreicht die notwendige Sicherheit mit möglichst geringem Eingriff in den Baum?
Gerade bei Altbäumen können Kronensicherungen eine wichtige Rolle spielen.
Große alte Äste, Höhlungen oder geschädigte Vergabelungen gehören häufig zur gewachsenen Struktur eines solchen Baumes.
Eine vollständige Entfernung dieser Kronenteile kann wiederum große Schnittwunden verursachen, den Habitus deutlich verändern und ökologisch wertvolle Strukturen beseitigen.
Eine Kronensicherung kann deshalb dazu beitragen, solche Bereiche weiterhin am Baum zu erhalten und gleichzeitig das Risiko zu reduzieren.
In der Ratgeberfibel zu alten Bäumen wird der Einbau von Kronensicherungen ausdrücklich als schonende Möglichkeit genannt, Sicherheit zu erhöhen und die Lebensdauer eines Baumes zu verlängern.
Erhalt vor Eingriff, wenn dies fachlich sinnvoll und sicher möglich ist.
Kronensicherung und Artenschutz
Alte und geschädigte Kronenteile können wertvolle Lebensräume sein.
Höhlungen, Spalten, Totholz oder Mulm können für Vögel, Fledermäuse, Insekten und andere Organismen von Bedeutung sein.
Wenn eine gefährdete Struktur durch eine Kronensicherung am Baum verbleiben kann, lassen sich solche Habitatfunktionen unter Umständen erhalten.
Gerade bei alten Bäumen kann die technische Sicherung deshalb eine Möglichkeit sein, Verkehrssicherheit und ökologische Anforderungen miteinander zu verbinden.
Eine Kronensicherung ist keine einmalige Maßnahme, die anschließend für unbegrenzte Zeit unbeachtet bleiben kann.
Der Baum wächst weiter.
Äste verändern ihren Durchmesser.
Die Krone entwickelt sich.
Materialien altern.
Deshalb müssen eingebaute Systeme regelmäßig kontrolliert und bei Bedarf angepasst oder erneuert werden.
Dabei wird geprüft, ob das Sicherungssystem weiterhin richtig positioniert ist, ob die vorgesehenen Bewegungsmöglichkeiten bestehen und ob sich die ursprünglich gesicherte Baumstruktur verändert hat.
Eine Kronensicherung gehört deshalb immer in ein langfristiges Pflege- und Kontrollkonzept.
Bei Baumpflege Funck steht vor dem Einbau immer die Beurteilung des einzelnen Baumes.
Wir prüfen, welche Struktur tatsächlich gefährdet ist, welche Kräfte wirken und ob eine Kronensicherung die fachlich geeignete Lösung darstellt.
Das kann bedeuten, ein dynamisches System einzubauen.
Es kann bedeuten, eine geschädigte Struktur stärker zu stabilisieren.
Es kann bedeuten, die Sicherung mit einer gezielten Kroneneinkürzung zu kombinieren.
Und es kann ebenso bedeuten, dass eine Kronensicherung an diesem Baum nicht die richtige Maßnahme ist.
Unser Ziel ist keine möglichst aufwendige technische Lösung.
Unser Ziel ist eine nachvollziehbare, sichere und möglichst baumschonende Lösung für den einzelnen Baum.
Eine Kronensicherung ist dann sinnvoll, wenn sie Sicherheit schafft und gleichzeitig wertvolle Baumstruktur erhalten kann.
Dafür müssen Baumbiologie, Kronendynamik, vorhandene Schäden, Standort, Verkehrssicherheit und langfristige Entwicklung gemeinsam betrachtet werden.
Sichern statt vorschnell entfernen.
Erhalt vor Eingriff, wenn dies fachlich sinnvoll ist.
Baumpflege mit Köpfchen.
Wir stellen den Baum in die Mitte unserer Arbeit.
Sicher · Nachhaltig · Stressfrei.