Professionelle Baumpflege besteht nicht nur aus Erfahrung und handwerklichem Können. Für viele Arbeiten an Bäumen gibt es fachliche Regelwerke, die beschreiben, wie Leistungen geplant, ausgeschrieben, kontrolliert und fachgerecht ausgeführt werden sollen.
Eine wichtige Rolle spielt dabei die Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e. V. (FLL).
Ihre Regelwerke werden insbesondere in der professionellen Baumpflege, bei Kommunen, Sachverständigen, Baumkontrolleuren und öffentlichen Auftraggebern verwendet. Sie schaffen eine gemeinsame fachliche Grundlage und helfen dabei, Leistungen eindeutig zu beschreiben und deren Qualität nachvollziehbar zu beurteilen.
Für unsere Arbeit bei Baumpflege Funck sind insbesondere drei Veröffentlichungen von Bedeutung:
Diese drei Veröffentlichungen behandeln unterschiedliche Bereiche – greifen in der praktischen Arbeit am Baum aber häufig unmittelbar ineinander.
Die FLL entwickelt technische Regelwerke und Fachberichte für verschiedene Bereiche des Landschaftsbaus und der Arbeit mit Bäumen.
Solche Regelwerke sind keine Anleitung, die jede individuelle Situation vollständig lösen kann. Auch die FLL weist darauf hin, dass ihre technischen Regeln wichtige Erkenntnisquellen für fachgerechtes Verhalten im Normalfall darstellen, Sonderfälle aber immer eine darüber hinausgehende fachliche Entscheidung verlangen können.
Genau diese Unterscheidung ist uns wichtig.
Ein Regelwerk schafft den fachlichen Rahmen. Die Entscheidung am konkreten Baum bleibt eine fachliche Aufgabe.
Baumart, Entwicklungsphase, Vitalität, Standort, Verkehrssicherheit, ökologische Bedeutung und Pflegeziel müssen weiterhin individuell betrachtet werden.
Die ZTV-Baumpflege sind die „Zusätzlichen Technischen Vertragsbedingungen und Richtlinien für Baumpflege“.
Die von der FLL derzeit angebotene Ausgabe ist die 6. Ausgabe von 2017. Sie umfasst fachliche Anforderungen an unterschiedliche Leistungen der Baumpflege und wird von der FLL als Regelwerk beschrieben, das dem Stand von Wissenschaft und praktischer Erfahrung entspricht und im Zusammenhang mit der Vergabe von Baumpflegeleistungen als anerkannte Regel der Technik herangezogen werden kann.
Für Auftraggeber ist die ZTV-Baumpflege vor allem deshalb wichtig, weil Begriffe wie Kronenpflege, Jungbaumpflege, Kroneneinkürzung oder Kopfbaumschnitt dadurch fachlich definiert werden können.
Eine Ausschreibung „Baum schneiden“ lässt viel Interpretationsspielraum.
Eine klar beschriebene baumpflegerische Leistung schafft dagegen eine wesentlich bessere Grundlage dafür, dass Auftraggeber und ausführender Betrieb dieselbe Maßnahme meinen.
Gerade beim Baumschnitt gibt es große qualitative Unterschiede.
Ein Baum kann fachgerecht gepflegt werden – oder lediglich stark zurückgeschnitten werden, obwohl dies für seine Entwicklung gar nicht notwendig wäre.
Die ZTV-Baumpflege hilft, Leistungen genauer zu beschreiben und fachliche Anforderungen an deren Ausführung zu stellen.
Sie berücksichtigt unter anderem unterschiedliche Entwicklungsphasen und Pflegeziele. In der Ausgabe 2017 wurden beispielsweise die Jungbaumpflege sowie Form- und Kopfbaumschnitt stärker beziehungsweise neu geregelt und verschiedene Leistungen überarbeitet.
Für uns bedeutet das:
Wir schneiden einen Baum nicht einfach „irgendwie zurück“, sondern arbeiten mit einem definierten Pflegeziel.
Der Baum soll nach einer Maßnahme nicht nur kurzfristig kleiner oder vermeintlich ordentlicher aussehen. Entscheidend ist, wie er auf den Eingriff reagieren und sich langfristig weiterentwickeln kann.
Auch ein gutes Regelwerk kann nicht jeden Baum vollständig abbilden.
Eine junge Linde im Straßenraum benötigt eine andere Behandlung als eine mehrere hundert Jahre alte Eiche.
Ein regelmäßig gepflegter Baum stellt andere Anforderungen als ein jahrzehntelang unbehandelter Altbaum.
Und ein Baum mit einer besonderen Kronenarchitektur kann eine individuelle Lösung benötigen.
Deshalb verstehen wir die ZTV-Baumpflege als fachliche Grundlage und gemeinsame Sprache, nicht als starres Schnittschema.
Das entspricht unserem Grundgedanken:
Wir stellen den Baum in die Mitte unserer Arbeit.
Ein zweites wichtiges Regelwerk sind die FLL-Baumkontrollrichtlinien – Richtlinien für Baumkontrollen zur Überprüfung der Verkehrssicherheit von Bäumen.
Die derzeitige Ausgabe stammt aus dem Jahr 2020. Die FLL bezeichnet die Baumkontrollrichtlinien als Standardwerk für Kontrollen zur Überprüfung der Verkehrssicherheit von Bäumen. Sie behandeln unter anderem Umfang, Zeitpunkt, Häufigkeit und Dokumentation von Baumkontrollen.
Gerade für Kommunen und größere Baumbestände sind solche strukturierten Regelkontrollen von großer Bedeutung.
Straßenbäume, Friedhöfe, Schulen, Parkanlagen oder andere öffentlich zugängliche Flächen können nicht allein nach persönlichem Eindruck betreut werden.
Es braucht ein nachvollziehbares System.
Bei einer fachgerechten Regelkontrolle wird ein Baum systematisch auf erkennbare Auffälligkeiten hinsichtlich seiner Verkehrssicherheit betrachtet.
Dabei geht es beispielsweise um:
Je nach Situation können einfache Hilfsmittel eingesetzt werden.
Entscheidend ist jedoch nicht das Werkzeug selbst.
Entscheidend ist die Fähigkeit des Baumkontrolleurs, Auffälligkeiten zu erkennen, deren Bedeutung einzuschätzen und daraus den richtigen weiteren Schritt abzuleiten.
Auch diese Unterscheidung ist wichtig.
Eine Regelkontrolle nach FLL ist zunächst eine systematische Kontrolle des Baumes.
Werden dabei Auffälligkeiten festgestellt, die nicht ausreichend beurteilt werden können, kann eine weitergehende Untersuchung erforderlich werden.
Die FLL führt hierfür mit den Baumuntersuchungsrichtlinien ein eigenes Regelwerk für eingehende Untersuchungen zur Überprüfung der Verkehrssicherheit von Bäumen.
Das bedeutet vereinfacht:
Baumkontrolle erkennt die Fragestellung – eine eingehende Untersuchung kann sie bei Bedarf vertiefen.
So muss nicht jeder Baum technisch untersucht werden. Gleichzeitig können auffällige Situationen genauer betrachtet werden, wenn dies tatsächlich erforderlich ist.
Besonders wirkungsvoll werden Baumkontrollen, wenn sie nicht isoliert betrachtet werden.
Bei größeren Beständen können die Ergebnisse in einem Baumkataster dokumentiert werden.
Dadurch lässt sich nachvollziehen:
Wann wurde ein Baum kontrolliert?
Welche Auffälligkeiten wurden festgestellt?
Welche Maßnahme wurde empfohlen?
Wann wurde sie ausgeführt?
Und wann ist die nächste Kontrolle sinnvoll?
Aus wiederkehrenden Kontrollen, Dokumentation und Pflegeplanung entsteht langfristig Baumanagement.
So dient eine Baumkontrolle nicht nur der aktuellen Verkehrssicherheit, sondern auch einer planbaren und wirtschaftlich sinnvollen Entwicklung des gesamten Bestandes.
Bei Arbeiten an Bäumen spielt jedoch nicht nur die Verkehrssicherheit eine Rolle.
Bäume sind gleichzeitig Lebensräume.
Höhlen, Spalten, Rindentaschen, Totholz, Mulm und andere Strukturen können von Vögeln, Fledermäusen, Insekten und zahlreichen weiteren Organismen genutzt werden.
Die FLL veröffentlichte deshalb 2021 den Fachbericht:
„Artenschutz – Artenvielfalt im Lebensraum Baum: Erhalten, Schützen, Pflegen“.
Wichtig ist die korrekte Bezeichnung: Es handelt sich nicht um eine „FLL-Artenschutzrichtlinie“, sondern um einen Fachbericht. Er behandelt unter anderem rechtliche Grundlagen, Lebensraumstrukturen geschützter Arten und die Verbindung von Artenschutz mit Verkehrssicherung und Baumpflege.
Ein alter Baum kann gleichzeitig:
ökologisch besonders wertvoll,
baumpflegerisch anspruchsvoll
und verkehrssicherheitsrelevant sein.
Ein abgestorbener Ast kann beispielsweise Lebensraum bieten und gleichzeitig über einem stark genutzten Weg ein Sicherheitsproblem darstellen.
Eine Höhlung kann für Tiere wertvoll sein und zugleich Teil eines größeren Schadensbildes sein.
Professionelle Baumpflege muss deshalb unterschiedliche Anforderungen miteinander verbinden.
Die Frage lautet nicht einfach:
„Entfernen oder stehen lassen?“
Sondern:
Welche Struktur ist vorhanden, welche Bedeutung besitzt sie und welche Lösung verbindet Sicherheit und Artenschutz möglichst sinnvoll?
Artenschutz sollte nicht erst dann Thema werden, wenn die Motorsäge bereits am Baum steht.
Vor einer Maßnahme kann es notwendig sein, vorhandene Strukturen genauer zu betrachten.
Besonders relevant können unter anderem sein:
Je früher solche Merkmale erkannt werden, desto besser können Zeitpunkt und Durchführung einer Maßnahme darauf abgestimmt werden.
Gerade bei alten und strukturreichen Bäumen ist diese Betrachtung für uns ein selbstverständlicher Bestandteil verantwortungsvoller Baumpflege.
In der Praxis lassen sich diese Themen häufig nicht vollständig voneinander trennen.
Ein Baum wird bei einer Regelkontrolle beurteilt.
Dabei wird eine notwendige Kronenpflegemaßnahme festgestellt.
Die Maßnahme wird entsprechend fachlicher Anforderungen der ZTV-Baumpflege geplant.
Vor beziehungsweise während der Durchführung werden vorhandene Habitatstrukturen und Anforderungen des Artenschutzes berücksichtigt.
So greifen die verschiedenen fachlichen Grundlagen ineinander.
Baumkontrolle erkennt.
Baumpflege handelt.
Artenschutz schaut mit.
Genau dieses Zusammenspiel ist für uns ein wesentlicher Bestandteil professioneller Arbeit am Baum.
FLL-Regelwerke sind wichtig, weil sie Begriffe definieren, fachliche Standards beschreiben und Auftraggebern sowie ausführenden Betrieben eine gemeinsame Grundlage geben.
Sie ersetzen jedoch nicht das Verständnis des einzelnen Baumes.
Ein erfahrener Baumpfleger oder Baumkontrolleur muss erkennen können, wann der Normalfall vorliegt – und wann eine besondere Situation eine differenziertere Lösung verlangt.
Deshalb verbinden wir bei Baumpflege Funck fachliche Regelwerke mit Baumbiologie, praktischer Erfahrung und der individuellen Beurteilung des Standortes.
So entsteht aus einer technischen Vorgabe eine tatsächlich sinnvolle Maßnahme.
Für unsere Kunden sollen Fachbegriffe und Regelwerke kein undurchsichtiger Hintergrund sein.
Wir möchten verständlich erklären, auf welcher fachlichen Grundlage eine Kontrolle oder Pflegemaßnahme erfolgt und welches Ziel damit verfolgt wird.
Denn gute Baumpflege bedeutet nicht, möglichst viele Regeln aufzuzählen.
Sie bedeutet, vorhandenes Fachwissen richtig auf den konkreten Baum anzuwenden.
ZTV-Baumpflege · FLL-Baumkontrollrichtlinien · FLL-Fachbericht Artenschutz
Fachwissen verstehen. Standards sinnvoll anwenden. Bäume verantwortungsvoll betreuen.
Baumpflege mit Köpfchen.
Wir stellen den Baum in die Mitte unserer Arbeit.