Manche Bäume erreichen ein Alter, in dem sie zu etwas Besonderem werden.
Ihre Kronen verändern sich, starke Äste sterben teilweise zurück, Höhlungen entstehen, Pilze besiedeln das Holz und über Jahrzehnte oder Jahrhunderte entwickeln sich Strukturen, die bei jungen Bäumen noch gar nicht vorhanden sein können.
Unter Archebäumen verstehen wir besonders alte und strukturreiche Bäume, die nicht nur selbst ein außergewöhnliches Alter erreicht haben, sondern gleichzeitig Lebensraum für eine Vielzahl anderer Organismen bieten.
Sie können zu kleinen Ökosystemen werden.
Käfer, Vögel, Fledermäuse, Pilze, Flechten, Moose und zahlreiche weitere Organismen finden an und in alten Bäumen Lebensräume, die in unserer heutigen Landschaft selten geworden sind. Gerade die Kontinuität solcher Altbaumstrukturen kann für spezialisierte Arten von besonderer Bedeutung sein.
Ein alter Baum sieht häufig anders aus als ein junger Baum.
Die Krone kann lichter werden.
Starke Äste können absterben.
Höhlungen entstehen.
Pilze bauen Teile des Holzes ab.
Der Baum kann sich in einzelne kleinere Kronenbereiche zurückziehen.
Solche Veränderungen gehören zunächst zum natürlichen Alterungsprozess eines Baumes und bedeuten nicht automatisch, dass er gefällt werden muss.
Gerade im hohen Alter können die ökologisch wertvollsten Strukturen entstehen. Die vorhandenen Fachunterlagen zum Umgang mit Baumriesen beschreiben deshalb ausdrücklich, dass diese Lebensphase andere Pflegemethoden verlangt als die Entwicklung eines jungen Baumes.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht:
„Wie bekommen wir diesen Baum wieder jung?“
Sondern:
„Wie können wir diesen alten Baum in seiner heutigen Lebensphase möglichst lange sinnvoll erhalten?“
Archebäume stehen häufig an Orten, an denen auch Menschen leben und sich bewegen.
Auf Dorfplätzen, Friedhöfen, in historischen Parks, auf privaten Grundstücken oder entlang von Wegen müssen deshalb ökologische Bedeutung und Verkehrssicherheit gemeinsam betrachtet werden.
Genau hier ist eine differenzierte fachliche Beurteilung notwendig.
Nicht jede Höhlung ist automatisch ein Grund zur Fällung.
Nicht jedes Totholz muss vollständig entfernt werden.
Und nicht jeder alte Baum kann ohne Maßnahmen sich selbst überlassen bleiben.
Je nach Baum können beispielsweise eine angepasste Kronenpflege, Kroneneinkürzung, Kronensicherung, Standortverbesserung oder die Veränderung des unmittelbaren Umfeldes Möglichkeiten sein, einen wertvollen Altbaum länger zu erhalten.
Auch die Fachunterlagen zum Erhalt von Baumriesen zeigen, dass ökologischer Wert und Sicherheit grundsätzlich miteinander vereinbar sein können, wenn Maßnahmen individuell auf den Baum abgestimmt werden.
Bei sehr alten Bäumen betrachten wir nicht nur die Krone.
Der Standort ist Teil des Systems.
Wurzelraum, Bodenstruktur, Wasserhaushalt, Mykorrhiza und das unmittelbare Umfeld können für die weitere Entwicklung eines Archebaumes ebenso wichtig sein wie eine Maßnahme in der Krone.
Gerade alte Bäume reagieren häufig empfindlich auf Veränderungen ihres über Jahrzehnte entwickelten Standortes.
Bodenverdichtung, Versiegelung, Abgrabungen oder Veränderungen des Wasserhaushaltes können deshalb erhebliche Auswirkungen haben.
Wer einen alten Baum erhalten möchte, muss auch seinen Lebensraum erhalten.
Ein Archebaum ist nicht kurzfristig ersetzbar.
Eine neu gepflanzte Eiche kann ein wichtiger Zukunftsbaum sein – sie besitzt jedoch nicht innerhalb weniger Jahre die Höhlen, Totholzstrukturen, Pilzgemeinschaften und komplexen Lebensräume eines mehrere Jahrhunderte alten Baumes.
Deshalb ist bei bedeutenden Altbäumen nicht nur der einzelne Baum wichtig.
Auch die Frage nach der Altbaumkontinuität gehört dazu.
Wo heute ein alter Baum erhalten werden kann, bleibt wertvoller Lebensraum bestehen. Gleichzeitig sollten jüngere Bäume so entwickelt werden, dass langfristig eine nächste Generation alter Bäume entstehen kann.
So wird aus dem Schutz eines einzelnen Baumes eine langfristige Aufgabe für den gesamten Standort.
Gerade bei alten Bäumen treffen häufig mehrere Fragestellungen aufeinander:
Wie sicher ist der Baum?
Welche Veränderungen gehören zum natürlichen Alterungsprozess?
Welche Schäden müssen genauer untersucht werden?
Welche Habitatstrukturen sollten erhalten werden?
Welche Pflege ist tatsächlich notwendig?
Und welche Entwicklung ist in den kommenden Jahren zu erwarten?
Im Sachverständigenbüro Philipp Funck betrachten wir solche Bäume deshalb nicht ausschließlich unter dem Gesichtspunkt eines einzelnen Schadens.
Baumbiologie, Baumstatik, Standort, Artenschutz, Verkehrssicherheit und langfristige Entwicklung werden gemeinsam betrachtet.
Daraus kann eine fachliche Einschätzung, eine weitergehende Untersuchung oder auch ein längerfristiges Pflege- und Entwicklungskonzept entstehen.
Archebäume entsprechen häufig nicht dem Bild eines vollkommen gleichmäßig aufgebauten Baumes.
Gerade ihre Höhlungen, abgestorbenen Bereiche, knorrigen Strukturen und jahrzehntelangen Anpassungen machen ihren besonderen Wert aus.
Unser Ziel ist deshalb nicht, einen alten Baum wieder in das Erscheinungsbild eines jungen Baumes zu bringen.
Wir möchten verstehen, welche Strukturen erhalten werden können, welche Risiken tatsächlich bestehen und welche Maßnahmen dem Baum in seiner heutigen Lebensphase gerecht werden.
So können Sicherheit, Baumerhalt und ökologische Bedeutung möglichst lange miteinander verbunden werden.
Sehr alte Bäume sind selten geworden.
Was über Jahrhunderte gewachsen ist, lässt sich nicht kurzfristig ersetzen.
Deshalb verdienen diese Bäume eine besonders sorgfältige und individuelle Betrachtung.
Verstehen. Erhalten. Begleiten. Weiterdenken.
Sachverständigenbüro Philipp Funck
Wir stellen den Baum in die Mitte unserer Arbeit.
https://boomadviseur.nl/publicaties/
www.bernrieder-vorsprung.de/biotopholz